KÜCHE

Die Oase

Zwischen Rhein und Emscher nutzen Freunde und Bekannte die Insel oder Oase, wie sie meinen Wohnort nennen, gern für einen Plausch mit Muckefuck. Auch aus den umliegenden Städten des Reviers wird mein Zuhause gern als Anlaufstelle für Information, Entspannung oder Rat genutzt. Hier dient meine Küche in der Regel als Kommunikationszentrale, in der sich Künstlerkollegen, aber auch Normalmenschen gern treffen.

wird zerstört.

Als eine lange überfällige Renovierung nicht mehr zu vermeiden war, war diese Kommunikationszone plötzlich nicht mehr existent.
Dies schien mir, in Annahme der baldigen Wiederaufnahme des Küchenbetriebes nicht weiter dramatisch. Doch waren die Tapeten erst einmal von den Wänden, nahm das Ausmaß der anfallenden Arbeiten ständig zu. Dies war mir, als ungerner Handwerker zwar lästig, aber nun gab es kein Zurück mehr.

Das Leiden

Was mich wirklich störte und mir nach und nach unerträglich schien, war das Fehlen der Küche als Zentrale für Kommunikation und Muckefuck. Hierbei drehte es sich nicht einmal so sehr um meine eigene Beköstigung, sondern dass ich meine Freunde und Bekannten nicht mehr artgerecht empfangen und bewirten, also sich wohlfühlen lassen konnte.

wird unerträglich,

Als mein Geburtstag, zu dem alles längst fertig sein sollte, nur noch wenige Tage entfernt war, bekam ich Ohrenschmerzen. Dies war mein letztes Alarmsignal.

doch später

Jetzt hatte ich aber die Faxen dick. Da es im Haus keine vernünftige Ausweichmöglichkeit gab, beschloss ich, die Küche in ihren für mich wesentlichen Bestandteilen in den Garten zu verlegen, wo seit einigen Monaten ein fast leeres, kleines Hauszelt stand. Ein gerade anwesender Saxophonist wurde von mir genötigt, sich umgehend als Möbelschlepper zu betätigen: raus mit dem Küchenschrank, raus mit dem Spülschrank, den Küchentisch dazu, Stühle gab es noch im Garten.

wandelt sich die Situation.

Und schwupps - hatte sich der Ohrenschmerz verflüchtigt.
Hinzu kam noch die Küchen-Stereoanlage - und ich war selig. Nicht nur, weil ich mit der Renovierung nicht mehr in Hektik war und es für die anstehende Geburtstagsfeier (nachmittags Kaffee und Kuchen für die Verwandtschaft, abends alles Andere für die Freunde) eine Lösung gab; es war ein ganz neues, nahezu exotisches Küchendasein im Zelt, was mir zu einem fast euphorischen Dasein verhalf.

Ein seltsam küchliches Flair

Gleichzeitig hatte ich wieder eine Anlaufstelle für mein Umfeld, nun sogar mit ganz seltsam küchlichem Flair. Bei meinem Rundruf im Freundeskreis "ab sofort wieder Muckefuck" bestätigten mir nach der näheren Erklärung der Umstände (Zeltküche) manche der lieben Bekannten zwar direkt meinen "sonderbaren Ausnahmezustand", später nach deren Eintreffen wandelte sich die "Sorge" jedoch meist in positives Erstaunen über den neuen Ort des gewohnten Geschehens.

Heile Welten

Es gab Kommentare wie: "wenn ich nicht genau wüsste, dass meine Nachbarn mich für die nächsten 20 Jahre für verrückt halten würden, hätte ich größte Lust, morgen dasselbe zu tun" oder "meine Kinder hätten bestimmt Riesenspaß an so etwas, aber meine Frau würde da nicht mitspielen", usw.
Jedenfalls kamen meine Mitmenschen wieder zu mir. Ich konnte sie wieder mit Information, Entspannung, Rat und Muckefuck versorgen und meine Welt war vorerst wieder in Ordnung. Die Renovierungsarbeiten hatten zunächst zehn Tage Pause und ich Urlaub im Garten.

Zu Hause

Inzwischen ist die Küche wieder im Haus. Dort wird sie von zahlreichen Künstlern unterschiedlichster coleur als Ort der entspannten Atmosphäre zum Austausch von Ansichten und Informationen genutzt, wobei die meisten derer, die sich hier einfinden und wohl fühlen, auch Käsebrote und Muckefuck zu schätzen wissen.

Unterwegs

zur 'Extraschicht' heißt es auch in diesem Jahr. Dort wird im Rahmen der langen Nacht der Industriekultur in der Zeche Zollverein in Essen das Küchenzelt in der Nähe meines Spielortes, an dem sich auch das elektronische Wohnzimmer befindet, aufgebaut. So haben die an der Veranstaltung als Kulturarbeiter beteiligten Künstler Gelegenheit, sich in ihren Pausen so verwöhnen zu lassen, wie man es bei Familie Schumann gewohnt ist.